Trend zur Friedlichkeit

Ist irgendjemandem aufgefallen, dass dies eines der friedlichsten Weihnachten der Geschichte war?

In der schwerelosen Tage zwischen den Jahren regiert wie immer der Moral-Appell. Auf allen Kanälen wird im Duktus der Anklage und des erhobenen Zeigefingers die Rückkehr der Werte gefordert. Dabei ist ein bestimmter Wert völlig ins Abseits geraten: Dankbarkeit. Ich bin glücklich, dass mein Sohn Tristan, der in diesem Jahr sein Studium der Kulturanthropologie begann, nach wie vor nicht mit Lira zahlen muss, wenn er nach Italien reist. Der Euro hat gehalten. Ich bin den Politikern dankbar, die das wider Erwarten geschafft haben. Deutschland ist ein ökonomisch starkes, flexibles Land. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, der Wohlstand stabil. Darf man das sagen, ohne den üblichen Ich-will-aber-auch-noch-was-gegen-Banken-und-Politiker-Sagen-Shitstorm hervorzurufen?

Erste Nacht ohne Morde

Ist irgendjemandem aufgefallen, dass dies eines der friedlichsten Weihnachten der Geschichte war? Gewiss: In Timbuktu zerstörten berittene Taliban Kulturgüter von unschätzbarem Welt, im Nahen Osten bleibt es unruhig und gefährlich. In Syrien ist die Lage schrecklich. Aber in Somalia klingt ein furchtbarer Bürgerkrieg der vergangenen Jahre in Hoffnung aus. Selbst eine Stadt wie New York erlebte Anfang Dezember die erste Nacht ohne Morde, Messerstecherei oder andere Gewalt. An vielen Fronten der Welt schweigen die Waffen. Nur hört man sie dann nicht.

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