Radikale Offenheit: TED 2012

Radikale Offenheit: TED 2012Die Organisation TED – Abkürzung von „Technology, Entertainent, Design“ – hat sich seit Jahren zu einer Plattform für die großen Zukunfts-Menschheits-Fragen entwickelt. Dieses Jahr fand die jährliche Zentral-Veranstaltung im schottischen Edinburgh statt. 80 Reden von Rednern, die das neue Denken über das Morgen vorantreiben, Teilnehmer aus 72 Nationen. Und  nebenbei, die einzige Weltkonferenz ohne Schlipse und mit einer großen Anzahl kluger/starker/schöner Frauen. Die Globale Kreative Klasse gab sich ein Stelldichein. Thema in diesem Jahr war der  Mythos der kolloborativen Gesellschaft: Ist Radical Openness das richtige  Konzept?.

Was meinen Sohn Tristan und mich beeindruckt hat, waren nicht nur die Vorstellungen von neuen Edge-Technologien wie „Quanten-Levitation“ und die eher amerikanischen Erweckungs-Stories persönlicher Schicksale, die eben auch zu TED gehören. Interessant war, daß auf TED auch zunehmend Vertreter globaler Großorganisationen sprechen – und  die Ideen der Kollaborations-Bewegung aufnehmen. So sprach der oberste General der NATO über „Open Souce Security“, und brachte viele Beispiele, wie sich die militärischen Organisationen heute mit humanitären Organisationen vernetzen. Der Chef der Weltbank stellte sich als Kind eines korruptionsbekämpfenden indischen Vaters vor, und schilderte schockierend glaubhaft den Wandel seiner Organisation zu einer offenen, partizipativen Plattform für den Transfer von Wandel in die armen Länder.

TED mausert sich so zu einer Art alternativem Davos, nur ganz ohne Schlipse und Bodyguards. Das ist das, was wir an TED  lieben: Die Widerlegung alter Vorurteile, die Verbindung von Gedanken aus unterschiedlichen Disziplinen und Wissenschaften, die Überwindung des ganzen ideologischen Quatsches, der die Welt in Schwarz und weiß aufteilt.

Wie etwa der Verhaltens-Psychologe Keith Chen, der nachwies, daß die grammatikalischen Strukturen einer Sprache das SPARVERHALTEN des jeweiligen Landes bestimmen! In Ländern mit „zukunftslosen“ Futur-Formen, wozu auch Deutschland gehört (Wir sagen eher „Morgen regnet es“ anstatt wie die Engländer „It WILL rain“) ist das Sparverhalten weitaus ausgeprägter (Im Chinesischen gibt es praktisch gar keine Futur-Form). Die Zukunft ist in dieser Konstruktion immer noch Teil der Gegenwart, während man im  Angelsächsichen darunter eher einen anderen Kontinent versteht.

Erfrischend auch, daß die eher amerikanische Konferenz auch Pessimisten und Skeptiker auf die Bühne brachte. Der bulgarische Politologe Ivam Kraslew führte in einem ganz schlichten Talk aus, daß „radikale Offenheit“ eben auch ein Ausdruck von  Mißtrauen ist, und „Transparency“ damit auch der Schlachtruf einer Neid- und  Verhinderungskultur sein kann. Politiker, die in „radikaler Offenheit“ von ihren  Wählern kontrolliert werden, können nicht mehr dazulernen und ihre Meinung verändern, wenn es nötig ist. Angela Merkel etwa hat in den letzten Monaten so viel gelernt, dass es wahrscheinlich ein Segen ist. Würde sie „gläsern“ und  basisdemokratisch sein, wäre Europa längst pleite und zerfallen.

Wenn auch nur ein Hauch dieses Geistes der Neugier, der Offenheit, des Aufbruchs, der intellektuellen Brillanz im deutschen Zukunfts-Diskurs existieren würde, wären wir sehr glücklich. Wir arbeiten daran!

Mehr über TED und die diesjährige „Radical-Openness“ Konferenz unter:

TED Global 2012: Radical Openness

A Taste of TED 2012

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