Der stürmische Planet

Wir lieben Großkatastrophen mit Schuldzuweisung. Mit Nachrichten über ausbleibende Katastrophen erzielt man keinen Empörungsgewinn.

Stellen wir uns vor, es wäre globale Klimakonferenz, aber niemand schaut hin. Auch in den nächsten Jahren würde sich, wie derzeit in Warschau, außer Spesen wenig bewegen. Und trotzdem setzt sich die Energiewende weltweit durch.

Man muss kein Klimaleugner sein, um diese Entwicklung vorauszusehen. Die Ent-Karbonisierung der Weltwirtschaft ist absehbar. Das Stichwort heißt Entkoppelung. Der CO2 -Ausstoß hat sich in vielen Wirtschaftsregionen vom Bruttosozialprodukt entkoppelt. Obwohl die Weltwirtschaft gewaltig wuchs, ist der weltweite Anstieg der Emissionen im letzten Jahrzehnt deutlich geringer geworden. Lag die Zunahme um 2000 noch bei 2,9 Prozent jährlich, waren es im letzten Jahr 1,1 Prozent. In den USA liegen die CO2 -Emissionen heute um 12 Prozent unter dem „Peak” von 2007. In Europa fallen sie kontinuierlich, trotz deutscher Ausrutscher.

Der entscheidende Faktor für die Klimazukunft ist natürlich China. Chinas Städte befinden sich heute in einem Mikroklima wie westliche Metropolen vor noch 60 Jahren. Im Jahre 1952 tötete der „Große Smog” in London rund 10.000 Menschen. Danach wurden drastische Gesetze erlassen. Und genau das wird auch in China geschehen. Dessen Bürger unterscheiden sich nicht so sehr von europäischen oder amerikanischen, auch wenn unser westlicher Dünkel uns das glauben lässt.

Die chinesische Regierung ist autokratisch, aber nicht blöd. Sie weiß, dass Kohletechnologien fatale Folgekosten haben, und welche gewaltigen Chancen solare Techniken auf dem Weltmarkt bieten. In einem Jahrzehnt wird Asien der größte Produzent erneuerbarer Energien sein. Allein die Photovoltaik-Zubauleistung aus China und Japan wird in diesem Jahr ein Volumen von 9 Gigawatt erreichen. Das sind 9 große Kernkraftwerke.

Hang zum Empörungsgewinn

Wenn wir alle Parameter der CO2 -Frage zu einem Zukunfts-System zusammenfügen – Preise, Markttrends, Technologie- und Wertewandel – dann wird klar, dass die Politik gar nicht mehr der entscheidende Faktor ist. Atomenergie ist teuer und die Förderung von Tiefseeöl zunehmend unattraktiv; die neuen Ölfelder vor Brasiliens Küste konnten kaum versteigert werden. Erneuerbare Energien befinden sich heute in einem Innovationszyklus, der riesige neue Märkte schafft. Das vielgeschmähte Fracking eröffnet eine Brücke, die den CO2 -Ausstoß massiv senken helfen kann. Das weltweite BSP-Wachstum wird in 20 Jahren abflachen. Dann wird globale CO2 -Ausstoß drastisch fallen. Das wahrscheinlichste Szenario: Der Wasserspiegel steigt im Verlauf dieses Jahrhunderts um rund 50 Zentimeter, was in einigen Küstenstrichen zu Umbauten, aber nirgends zur Endzeit führen wird.

Warum können wir so schwer mit solchen nicht-katastrophischen, aber sehr wahrscheinlichen Szenarien umgehen? Weil sie unserer Erregungsbereitschaft und dem Hang zum Empörungsgewinn widersprechen. Wir lieben Großkatastrophen mit Schuldzuweisung. Und was sollen die Al Gores dieser Welt und die vielen anderen Untergangsgurus aus Funk und Fernsehen nur tun, wenn sie nicht mehr die große Sintflut ausmalen können? Ein ganz neues Arbeitslosenproblem kommt auf uns zu!

Das Schwierigste aber wird sein, mit der schlichten Tatsache umzugehen, dass wir auf einem stürmischen Planeten leben, egal was „die da oben” tun.

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