Weibliche Kriege

Immer, wenn die CDU sich über etwas zerstreitet, ist dies ein sicheres Anzeichen dafür, dass es sich demnächst durchsetzt. Das gilt für die erneuerbaren Energien, die nur kurzfristig durch atomare Laufzeitverlängerung aufgehalten wurden. Es gilt für die Frauenquote in Chefetagen, die wir – natürlich – in ein, zwei Jahren haben werden.

Was aber wird sich in unserer Kultur, im Alltag, aber auch in der Politik verändern, wenn Frauen in grösserem Stil in die Machtebenen vorrücken? Die Antwort ist komplexer als man denkt.

Wird eine weibliche Welt friedlicher sein? Davon gehen wir aus: Frauen „sind nun einmal” konfliktscheuer, ausgleichender, harmoniesuchender, kooperativer, verzeihender, sozialer, vorsichtiger, gerechter. Sie reden lieber, sie hassen Gewalt mehr als die Testosteron-Träger. Abgesehen davon, dass schon ein Blick auf die Historie (Helena, Troja), den Kachelmann-Prozess oder in die Abgründe von Scheidungsprozessen uns leichte Zweifel bescheren sollten: Ein Beispiel aus der jüngsten Geschichte belehrt uns eines Besseren.

Der Feldzug gegen Gaddafi wäre sehr wahrscheinlich nie zustande gekommen, hätten nicht drei kluge, netzwerkende Frauen alle Register gezogen (in Zusammenarbeit mit einem sehr männlichen französischen Intellektuellen, Bernhard Levy). Hillary Clinton, die amerikanische Außenministerin und Frau des guten alten Hippie-Bill, stand so lange vor der Tür des Oval Office, bis der eher zögerliche Barack Obama die Bomber in letzter Minute ins Mittelmeer schickte. Ihre beiden Freundinnen Samantha Power (Sicherheitsberaterin im Weissen Haus) und Susan Rice (UN-Beauftragte der USA) formulierten und erzwangen in nächtelangen Sitzungen die Libyen-Resolution des Weltsicherheitsrates, die nicht nur eine Flugverbotszone, sondern auch Luftangriffe auf Gaddafis Truppen erlaubte. Nur deshalb wurde ein Massaker in Bengasi verhindert. Nur deshalb wird der Diktator demnächst abtreten, unter welchen Umständen auch immer.

Susan Rice ist eine Veteranin der Außenpolitik. Schon 1994 saß sie im Nationalen Verteidigungskomitee der USA: Damals wurde ein Genozid in Ruanda nicht verhindert und Rice schwor sich: „Wenn ich jemals wieder eine solche Krise erleben sollte, würde ich alles tun, damit dramatische Maßnahmen ergriffen werden – selbst wenn ich dabei untergehe!”

Ein interessantes Umkehr-Szenario tut sich da für die Zukunft auf. Unsere Generäle sind kriegsmüde geworden und wollen lieber ihr High-Tech-Gerät polieren, als – wie in Afghanistan – ihre Reputation zu riskieren. Politiker biedern sich eitel beim Publikum an, das sowieso der Meinung ist, uns ginge das „da draußen” alles gar nichts an. Die jungen Männer spielen lieber Videospiele, als zum neuen Arbeitgeber Bundeswehr zu gehen.

Frauen führen Kriege – oder initiieren sie – aus anderen Gründen als Männer. Wenn Männer Krieg führen, geht es um Eroberungen, Macht oder Ehre. Wenn Frauen in den Krieg ziehen, wollen sie etwas verhindern. Zum Beispiel, dass Männer sich gegenseitig (und Frauen und Kinder) ermorden. Frauen werden aus Sorge aggressiv. Vor uns liegt ein Zeitalter der Sorgen-Kriege, in denen es durchaus schrecklich zugehen kann. Aber mit einer anderen Perspektive.

Beim Falklandkrieg konnte man über Maggie Thatcher noch behaupten: Da kommandiert ein als Frau verkleideter Mann. Doch die Oberkommandierende der „Operation Dawn” heisst Margaret Woodward und ist eine 51jährige Schönheit mit glühenden Augen. Sie leitet den Einsatz der Bomber über Libyen. Sie ist Spezialistin für Luftbetankung und führte schon mehrere heikle Operationen mit Nahrungsmittel-Abwürfen in Uganda durch. Sie fliegt immer noch selber, wenn es drauf ankommt. Wenn schon Krieg, dann in solchen tough-zarten Händen.

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